Editorial 83

Editorial Nr. 83
Inhalt

Die Redaktion gibt ausnahmsweise eine Interpretationshilfe für das Verständnis des Titelbildes. Das scheint uns nötig, weil wir gerade nicht den idealen Leser suchen, der so denkt wie wir. Uns reicht es völlig, wenn das Heft aufmerksam und ressentimentfrei gelesen wird. Dissens und Streit sind ausdrücklich gewünscht, unter Seelenverwandten würden wir nämlich, privat genauso wie öffentlich, ersticken. Ein kleiner Ritt an umheimliche Orte, vom Ulmer Rathaus ins Hamburger Gericht und von dort zu einem Wasserspeicher in Derbyshire mag das verdeutlichen.

Peinliche Untersuchungen an Mädeln im Zusammenhang mit Sexualverbrechen gehören zum Standardrepertoire unfreier Gesellschaften. Die ungute Mischung aus Geilheit und Bestrafungswunsch richtet sich nämlich keineswegs nur gegen den oder die Täter, sondern häufig genug auch das Opfer. Solche Rationalisierung muss Günter Czisch, den CDU-Oberbürgermeister im längst rot-grünen Ulm, am 14.11.2019 nach einer von sunnitischen Flüchtlingen begangenen Gruppenvergewaltigung an einer 14-Jährigen dazu bewogen haben, es nicht bei der standardisierten Betroffenheit, ergänzt um den obligatorischen Hinweis, er werde seine Ordnungsbehörden nicht mit der Durchsetzung der öffentlichen Sicherheit betrauen, zu belassen: „Ich bin genauso schockiert wie andere […]. Ulm ist eine sichere Stadt, aber absolute Sicherheit gibt es nicht. Ich bin dankbar für die schnelle Reaktion der Sicherheitsbehörden. Das ist ein ganz wichtiges Signal. Der Rechtsstaat muss jetzt klare Kante zeigen. Und zwar egal, woher jemand kommt.“ Im Gleichklang mit dem Mittelstand in seiner Stadt, dessen gut verwahrte Töchter so wundervoll empowert werden, dass sie wahlweise als Prinzessinnen auf der Erbse oder rebellische kleine Hexen sich über Sex vorzugsweise aus unter ihnen kursierenden Gewaltpornos aus dem Internet informieren, fügte er hinzu: „Ich frage mich allerdings, was ein 14-jähriges Mädchen nachts in Ulm will. Eltern haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass ein minderjähriges Mädchen nicht allein in der Stadt rumläuft. Ich sage das so deutlich, weil wir alle in die Pflicht nehmen müssen, wenn wir solche Fälle verhindern wollen“ (Südwestpresse, 15.11.2019).

Ein Deichgraf, der nachts die nackten Mädchen durch die Straße laufen sieht, verlautbarte als „diekgrof“ auf Politically Incorrect tags darauf: „Die Äußerung des OB war in diesem Zusammenhang völlig daneben, da man daraus eine Mitschuld der Eltern und des Mädchens herleiten kann. Das ist unverschämt. Es sollte in unserem Land theoretisch möglich sein, dass eine attraktive Frau zu jeder Tages- und Nachtzeit nackt durch die Straßen laufen kann, ohne auch nur belästigt zu werden“, um durchaus im Gleichklang mit Günter Czisch und den Ulmer Mittelstandseltern so fortzufahren: „Es ist ein Problem in unserem Land, dass Jugendliche bis spät in die Nacht auf den Straßen unterwegs sind, in Parks, Bahnhöfen usw. herumlungern, oft rauchen, kiffen, saufen und dann nicht selten randalieren.“ Ein anderer Volkswart, der auch von nackten Mädeln träumt, fügte im gleichen Forum hinzu: „Ich sehe diese kleinen Bitches regelmäßig in Berlin und Großraum Potsdam (Bahnhofspassagen, Friedensinsel…), wie sie sich förmlich an die ‚minderjährigen‘ Schwarzbärte drängen, ihnen bereitwillig die Smartphones überlassen oder das Taschengeld … oder halt eben das Hinterteil.“

Ganz Deutschland fragte sich: Vielleicht hat dieses bedenkliche Ulmer Mädchen, das seine Peiniger teilweise sogar gekannt hat, ihre Aussage erfunden, um den Eltern ihr langes Ausbleiben an Halloween zu erklären und den Behörden den Vorwand zu liefern, jugendliche Schwarzbärte zu drangsalieren, mit denen sie womöglich ja einvernehmlichen Sex hatte? In einem war sich das politisch korrekte wie inkorrekte Deutschland sicher: So eine ist weder Prinzessin noch kleine Hexe, sondern eine mutmaßlich aus der Unterschicht stammende Bitch, deren schulische Leistungen wahrscheinlich zu wünschen übrig lassen. In Kleidung und Make-up genauso ordinär wie im verhunzten Schwäbisch und den drittklassigen Träumen vom aufregenden Leben, hat sie unser Mitgefühl erst recht dann verwirkt, als ihr sexuelle Gewalt angetan wurde. Das ist der Beitrag von Politik und öffentlicher Meinung in einer Zeit, in der sich die Fälle von Gruppenvergewaltigungen an Minderjährigen häufen. OB Czisch bedauert noch am gleichen 14.11. sehr, dass seine ursprüngliche Stellungnahme „missverständlich“ gewesen sei: „Selbstverständlich trägt das Mädchen keinerlei Schuld. Die Schuld an dieser Tat liegt ausschließlich und eindeutig bei den mutmaßlichen Tätern.“ Sein Mitgefühl gelte dem Opfer und dessen Familie (Welt, 15.11.2019). Niemand hat diesen Unhold aus einem Vorort von Rotherham zur Rechenschaft gezogen, diesen ordinären Beschöniger einer schrecklichen Tat, dessen Opferbeschimpfung so frappant an die Gepflogenheiten nordenglischer Behörden erinnert, die lieber die zwangsprostituierten Mädel auf ihre menschliche Verworfenheit und daher Unglaubwürdigkeit hin untersuchten als die freundliche Taxifahrer-Community pakistanischer Herkunft. Die über 3.000 Rotherham-Mädchen, die bald auch aus Ulm stammen könnten, haben kein Mitleid verdient, denn anders als die Opfer der massenhaften sexuellen Angriffe auf der Kölner Domplatte durch moslemische Migranten zu Silvester 2015/16, deren Leugnung durch Kommunal- und Landespolitiker immerhin mit zur Abwahl der NRW-Regierung im Jahr 2017 beigetragen hat, gelten sie nicht als unschuldig. Konsequent stand niemand am 15.11.2019 oder danach vor dem Ulmer Rathaus, um den Czisch öffentlich anzuprangern. Niemand, am allerwenigsten der deutsche Feminismus, wagte es, den Zusammenhang von Willkommens- und Raubkultur, dem zunehmend Unterschichtenmädchen zum Opfer fallen, zu benennen – und niemand sammelte Geld, um dem Opfer zum Beispiel einen schönen Urlaub mit Palmen, Strand und Disco zu ermöglichen.

Die Zeitschrift Bahamas, die in Ulm lediglich ein paar Abonnenten hat, konnte dort nicht stellvertretend den Job machen. Ihre Redakteure haben aber auch um Ulm herum in den sozialen wie in den Printmedien vergebens nach „antideutsch“ oder feministisch motivierter Solidarität mit dem Opfer gesucht. Offenbar stiftet der schon im Titel hochnotpeinliche Artikel Vorsicht, Vagina von Thomas von der Osten-Sacken, in der Jungle World vom 25.7.2019, in dem von einem F-Wort, das nicht für fuck, sondern für Flüchtlinge und Feministinnen stünde und weißen Männern Angst mache, den Konsens, der eine nähere Beschäftigung mit Ulmer Geschichten schon verdächtig erscheinen lässt. Von den Vorlieben für Verstümmler des weiblichen Geschlechtsorgans einmal abgesehen, scheint es eine gesellschaftliche Übereinkunft zu geben, wonach eine 14-Jährige keinen Sex haben soll und, wenn schon, dann gefälligst ausschließlich mit ihren Klassenkameraden herummacht. Unter ihnen, da ist man sich sicher, findet sie dann „Partner, Freunde und Seelenverwandte, die so denken wie du“. Dass die Ulmerin in den für sie vorgesehenen Gleichklang nicht einstimmen wollte, hat sie einer auch antideutschen Bürgerwelt voraus, die ihr schändlicherweise nicht ausdrücklich und unter Benennung der wahrscheinlichen schrecklichen Folgen vom näheren Umgang mit stolzen arabischen Jungmännern abgeraten hat. Da die Vorfälle sich häufen und die Sozialisation und Beweggründe der Täter unerwähnt bleiben sollen, wird man sich auf eine ominöse Angstmache vor Männern überhaupt einigen, die Mädchen mit Ausgehverboten überziehen und diskret dafür sorgen, dass auch jene jungen Araber, die sich von „ihrer“ Religion und Kultur und damit auch der Brüdermentalität losgesagt haben, draußen bleiben müssen. Das meint der „Aufruf an die letzte Generation“ der Kapitänin Rackete, die, wie die Klima-Gretel sich für uns selbstredend privilegierte Weiße nur eine Welt aus Selbstanklage und Verzicht vorstellen kann, in die weiße Unterschichten-Mädchen mit womöglich hedonistischen Neigungen nicht hineinpassen. Was dem Ulmer Vergewaltigungsopfer, das statt helfen kiffen und womöglich mit einem ihrer späteren Peiniger auch Sex haben wollte, widerfahren ist, möge ihr und allen Pflichtvergessenen eine Lehre sein. Denn es gilt die eiserne Klima-Regel: Bleibe fern von fremden Biotopen, deren Gleichgewicht deine Anwesenheit stört, was widrigenfalls fatale Folgen nicht nur für dich, sondern auch für Feministinnen und Antifaschisten hätte, die bei Übertretung des Umweltschutzgebots schon wieder versichern müssten, dass jede Vergewaltigung eine zu viel sei und die Herkunft der Täter nichts zur Sache täte.

So wie man jungen Moslems keinen Notausgang aus „ihrer“ Religion und „unserer“ Helferkultur anbietet, so rücksichtslos werden inzwischen kleine Kinder „ihrem“ Biotop ausgeliefert, das sie in vielen Fällen mit Sicherheit zu bildungsfernen Verhaltensauffälligen macht, die in einer Hölle aus Armut, Gewalt und einem die Perpetuierung des Unheils verbürgenden Überlegenheitsdünkel ein unglückliches Leben führen müssen. In Hamburg ließ ein Ehepaar, über dessen Herkunft wir nur anhand des Pressefotos erfahren, dass die Frau ein Kopftuch trägt, sein siebtes Kind, das natürlich Mohamed hieß, im Alter von 10 Wochen verhungern und wurde deswegen im November 2019 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. „Laut der Kammer gingen die Eltern nicht zur Ärztin, weil sie Angst hatten, dass die das Jugendamt über den dramatischen Zustand von Mohamed alarmieren würde und die Behörde den Eltern das Sorgerecht für alle Kinder entzieht. Die Eltern waren zuvor bereits in den Blick des Jugendamtes geraten. Die Mutter war mehrfach bei Diebstählen im Beisein ihrer Kinder erwischt worden, der Vater mal [!] bekifft Auto gefahren.“ (Zeit, 29.11.2019) Die anderen Kinder des Paares sind „laut dem Jugendamt gesundheitlich in guter Verfassung, Spuren von Vernachlässigung oder Verwahrlosung gibt es äußerlich nicht.“ Alles bestens also, nur „in der Schule gelten sie als lernverzögert und verhaltensauffällig.“ Besorgt fragt man sich: „Kann das nicht auch Symptom einer Vernachlässigung sein?“ Für die Redakteurin und ihre Leser ist das eine nicht zu beantwortende Frage, weshalb erst ein nachdenkliches Gericht die Antwort findet: „Ein schwieriges Urteil, das sich die Kammer nicht leicht gemacht habe, wie der Vorsitzende Richter sagt. Schwierig, weil darin nicht nur die Schuld der Eltern zu bemessen war. Sondern auch die weitreichenden Folgen, die eine Gefängnisstrafe mit sich gebracht hätte. Die Eltern haben nämlich noch sechs weitere Kinder. Die hätten dann wohl in Pflegefamilien gemusst. ‚Die Kinder hätten unverschuldet unter dem krassen Fürsorgeversagen ihrer Eltern zu leiden gehabt‘, so der Richter. Jetzt bleiben sie in der Familie.“ Nachzutragen wäre nur, dass „die Mutter wieder schwanger ist. Im Februar erwartet sie ihr nächstes Kind. Wenn es ein Junge wird, soll er Mohamed heißen – so wie das Baby, das sie verhungern ließ.“

Die da so gnadenlos 14-jährige Vergewaltigungsopfer als Herumtreiberinnen denunzieren und die Geschwister des verhungerten Mohameds nicht aus den Klauen ihrer widerwärtigen Eltern befreien, weil ein ehernes Naturgesetz es so will, schicken ihre Kinder in der Regel nur unter Obhut der Lehrer auf doofe Freitagsdemos. Sollte aber einmal eines darunter sein, das sich dem elterlichen Wunsch nach ewiger Seelenverwandtschaft entzieht, also den Eltern nicht in aller von ihm erwarteten ewigen Infantilität „natürlich Liebe und Freundschaft“ gewähren will, dann könnten nach der Vollstreckung des finalen Gleichklangs die Totenglocken ertönen: Im Herbst 2018 traktierte die 41-jährige Sozialarbeiterin Emma Sillet ihren fünfjährigen Sohn Jenson in einem McDonald’s Restaurant in Derbyshire mit einem „happy meal“, bevor sie an einem abgelegenen Wassereservoir seinen Rucksack mit Steinen befüllte, seine und ihre Hände so zusammenband, dass sie Gesicht an Gesicht wie beim letzten Kuss aneinandergefesselt waren und mit ihm in den Tod sprang. Im Auto ließ sie eine „emotionale Nachricht“ zurück, in der sie ihre Tat damit begründete, dass sich ihr Sohn emotional von ihr entferne (Daily Mail, 25.6.2019).

Die Redaktion Bahamas plant für den Samstag, 20. Juni 2020 eine Konferenz.