Staatsbürger in Uniform - Bahamas Nr. 85
Nr. 85 · Sommer 2020
Editorial

Staatsbürger in Uniform

  • Die deutsche Fleischindustrie firmiert als Europas Schlachtbank. Wie das Corona-Virus entlang der Wertschöpfungsketten seinen Weg in die Welt finden konnte und wenigstens für einen Augenblick die politische Ökonomie des postmodernen Kapitalismus ruchbar machte. Von Uli Krug
  • Seuchenprävention als globaler Heilungsprozess, so sehnen es sich sowohl autoritäre Lebensschützer als auch staatsfeindliche Freiheitshelden herbei. Was als unhintergehbare Grundlage einer Kritik der Corona-Notstandsmaßnahmen anzusehen ist, erläutert Justus Wertmüller.
  • Die Weltgesundheitsorganisation erweist sich auch in Corona-Zeiten als Ein gutes Stück Vereinte Nationen. Andrea Dielle beleuchtet das WHO-Schmierentheater unter chinesischer Regie, das nach dem Ausbruch von Covid-19 zur Aufführung kam.
  • Die Einverleibung des Todes die Giorgio Agamben fordert, steht seiner Verdrängung und damit der Hoffnung auf ein besseres Leben entgegen. Lukas Sarvari über das Zusammenspiel von Lebensschutz, Altenverwahrung und Sterbehilfe unter besonderer Berücksichtigung der Corona-Maßnahmen.
  • Unter Corona wurde ein Tauschverbot des Leiblichen verhängt. Zum Strukturwandel der Intimität in der Präventionsgesellschaft und zu den Möglichkeiten, unter Partykämpfern und Gesundheitspolizisten bei Vernunft zu bleiben, schreibt Magnus Klaue.
  • Digitalisierung statt Dekadenz rufen nicht wenige von denen freudig aus, die den Corona-Lockdown als Glück im Unglück empfinden. Mario Möller und David Schneider ergründen, was hinter der Begeisterung fürs Home Office steckt.
  • Mehr Befugnisse denn je sind im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben, mit dem die staatlichen Maßnahmen gegen Corona begründet werden. Felix Mauser nimmt das Gesetz und seine Entstehungsgeschichte unter die Lupe.
  • Weil Die neuen Feinde der Spekulation deren objektiven Zusammenhang mit Erkenntnis und Empirie bestreiten, gerät ihnen schon das Unbehagen an den staatlichen Corona-Maßnahmen zur Verschwörungstheorie. Wie nah dabei die vor solchen Warnenden ihrem vermeintlichen Gegenüber kommen, erklären Matthias Achersleben, Nathan Giwerzew und Clemens Nachtmann.
  • Nach der Tötung von George Floyd wurde Kente statt Kante gezeigt. Sören Pünjer über den antirassistischen Furor der Black Lives Matter-Bewegung und darüber, was ihn so erfolgreich macht.
  • Warum der Antirassismus an der Kritik historischer Rassentheorien notwendig scheitert und deshalb seine gesellschaftliche Funktion als Die neue Rassenlehre erfüllen kann. Von Michael Fischer
  • An den Unis der englischsprachigen Welt hat sich eine neue Studentengeneration Die Desinfektion der Gedanken zum Ziel gesetzt. Andrew Garsden analysiert, warum den Säuberungen des Denkens Einhalt geboten werden muss, die sich schon lange nicht mehr auf den Campus beschränken.
  • Sussex Royals – die königliche NGO, so bringt Christian Lamp die Geschäftsidee von Meghan Markle und Prinz Harry auf den Begriff. Die Queen ist zurecht not amused über die „progressiven“ PR-Umtriebe des It-Pärchens.
  • Voßkuhles Vermächtnis nennt Martin Stobbe das Urteil, das vom Bundesverfassungsgericht gegen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank gefällt wurde. Welche Sprengkraft es in sich birgt und was es über den Charakter der EU verrät.
  • In Rolf Hochhuts Der Stellvertreter drückt sich die Sehnsucht nach dem Gegenführer aus. Wie dem Autor in seinem Klassiker die unterstellte Allmacht des Papstes zur Entlastung der Deutschen dienen sollte. Von Paulette Gensler