Vortrag und Diskussion in Berlin

Montag, den 15. Juni, um 19:30 Uhr
HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, Raum 1072

Die Paradiesvögel des Djihad

Identifikation, Selbsthass und der Weg zur Selbstverwirklichung europäischer Djihadistinnen

Mit Lisa Lübars

Die Frauen, die als Djihadistinnen nach Syrien ziehen, werden häufig als traumatisiert, verführt, kurzum, als Opfer der Männerwelt verniedlicht. Dem widerspricht die handfeste Täterschaft, die sie als Puffmütter und Vergewaltigungshelferinnen an yesidischen Frauen verüben, und ihr öffentliches Erscheinen: als Koranfeste und selbst zur Waffe greifende Sittenpolizei können sie auch auf Glaubensschwestern unmittelbar Gewalt ausüben. Damit geht diese Gewalt im IS nicht ausschließlich von den männlichen Djihadisten aus: der in der islamischen Religion bedingte Hass aufs (eigene) weibliche Geschlecht und damit sich selbst findet für diese Frauen sein unmittelbares Ventil. Die Mechanismen der Identifikation mit dem Islam stellen eben keine Emanzipation dar, auch wenn diese Frauen scheinbar die traditionelle Rolle der Hausfrau und Mutter durchbrechen. Die Regression in antizivilisatorische Barbarei ist gewiss in allen modernen Gesellschaften angelegt. Der Islam, das zeigen die Anhängerinnen von IS, ist nicht nur ein Ausstiegsmodell wie andere auch, sondern zugleich populäres Angebot, die eigene Grausamkeit unmittelbar auszuleben. Wer diese Frauen verharmlost, verkennt die Barbarisierung ihrer selbst durch ihre völlige Entgrenzung als die wahren Vertreterinnen des Islam.